Als ich meinen ersten Punkt kassierte, ging mir sofort der Spruch durch den Kopf: „Drei Punkte in Flensburg." Ich war überzeugt, dass jetzt der Führerschein wackelt. Heute weiß ich: Das alte Bild im Kopf ist komplett veraltet – und sorgt bei den meisten für unnötige Panik.
Denn seit der großen Reform 2014 hat sich das System grundlegend geändert. Es heißt nicht mehr „Verkehrszentralregister", sondern Fahreignungsregister (FAER), und die Punkte werden ganz anders gezählt als früher. Schauen wir uns das in Ruhe an – ohne Behördendeutsch.
Wie das Fahreignungsregister heute funktioniert
Früher gab es bis zu sieben Punkte für eine einzige Tat und Schluss war bei 18. Heute ist das viel übersichtlicher: Es gibt nur noch 1, 2 oder 3 Punkte pro Verstoß, und die magische Grenze liegt bei 8 Punkten. Wer die erreicht, verliert die Fahrerlaubnis.
Die Logik dahinter: Je gefährlicher der Verstoß, desto mehr Punkte. Das Fahreignungs-Bewertungssystem staffelt das in drei Stufen.
- 1 Punkt: schwerwiegende Ordnungswidrigkeiten – zum Beispiel deutlich zu schnell oder Handy am Steuer.
- 2 Punkte: besonders gefährliche Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten ohne Entzug, etwa eine Rotlichtmissachtung mit Gefährdung.
- 3 Punkte: Straftaten mit Entzug der Fahrerlaubnis, etwa Trunkenheit am Steuer.
Das Stufensystem: Was bei welchem Punktestand passiert
Bevor der Führerschein weg ist, bekommst du Vorwarnungen. Der Gesetzgeber hat ein abgestuftes System eingebaut, damit niemand „aus dem Nichts" den Lappen verliert.
- 1 bis 3 Punkte: Vormerkung. Es passiert nichts weiter, außer dass die Punkte gespeichert sind.
- 4 bis 5 Punkte: schriftliche Ermahnung plus Hinweis auf das freiwillige Fahreignungsseminar.
- 6 bis 7 Punkte: schriftliche Verwarnung.
- 8 Punkte: Entzug der Fahrerlaubnis.
Ist der Führerschein erst einmal weg, kommst du nicht sofort wieder ans Steuer. Es gibt eine Sperrfrist von mindestens sechs Monaten, und danach musst du die Fahrerlaubnis neu beantragen. Häufig verlangt die Behörde dann eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU), bevor du wieder fahren darfst.
Wann Punkte wieder verfallen
Die gute Nachricht: Punkte bleiben nicht ewig. Jeder Punkt hat seine eigene Tilgungsfrist und wird einzeln gelöscht – unabhängig von den anderen. Das alte „Verfall in einem Rutsch" gibt es nicht mehr.
- 1 Punkt: wird nach 2,5 Jahren getilgt.
- 2 Punkte: Tilgung nach 5 Jahren.
- 3 Punkte: Tilgung nach 10 Jahren.
Die Frist startet jeweils mit der Rechtskraft der Entscheidung. Ein neuer Verstoß verlängert übrigens nicht die Frist der alten Punkte – das war früher anders und ist heute deutlich fairer.
Punkte abbauen: Geht das aktiv?
Ja, aber nur in engen Grenzen. Wenn du zwischen 1 und 5 Punkten stehst, kannst du einen Punkt abbauen, indem du freiwillig an einem Fahreignungsseminar teilnimmst. Das besteht aus einem verkehrspädagogischen und einem verkehrspsychologischen Teil.
Der Haken: Das geht nur einmal innerhalb von fünf Jahren, und ab 6 Punkten bringt es für den Punktestand nichts mehr. Das Seminar kostet je nach Anbieter meist zwischen 300 und 500 €.
Davon abgesehen ist der wirksamste „Punkteabbau" ganz unspektakulär: abwarten und sauber fahren. Sammelst du keine neuen Verstöße, tilgen sich die bestehenden Punkte von allein nach ihren Fristen.
Punktestand abfragen – so geht's
Du musst nicht raten, wie viele Punkte du hast. Den Punktestand abfragen kannst du direkt beim Kraftfahrt-Bundesamt, und zwar kostenlos. Es gibt drei Wege:
- Online über das Portal des KBA mit dem neuen Personalausweis und aktivierter Online-Ausweisfunktion.
- Schriftlich per Brief mit beglaubigter Unterschrift.
- Persönlich direkt vor Ort in Flensburg mit Ausweis.
Die Auskunft ist immer kostenlos – wenn ein Dienstleister im Netz Geld dafür verlangt, ist das ein kostenpflichtiger Vermittler, nicht das KBA selbst. Geh deshalb direkt über die offizielle Seite des Kraftfahrt-Bundesamts.
Was Punkte mit Versicherung und Halter zu tun haben
Punkte hängen immer an der Person mit der Fahrerlaubnis, nicht am Fahrzeug oder am Halter. Wer also nicht selbst gefahren ist, bekommt auch keine Punkte – bei einem Halter, der das Auto nur bereitstellt, bleibt die Weste sauber, solange er nicht am Steuer saß.
Trotzdem lohnt sich der Blick aufs große Ganze: Wer auffällig fährt, zahlt oft auch bei der Versicherung drauf. Ein Blick in den Bußgeldkatalog und ein ehrlicher Versicherungsvergleich helfen, böse Überraschungen zu vermeiden.
Häufige Fragen zu Punkten in Flensburg
Fazit
Punkte in Flensburg sind kein Grund zur Panik, aber auch nichts, was du ignorieren solltest. Das Fahreignungsregister ist heute transparent: maximal drei Punkte pro Tat, Schluss bei acht, klare Tilgungsfristen. Wer seinen Punktestand abfragt, behält den Überblick – und wer Punkte abbauen will, hat mit dem Fahreignungsseminar genau eine, eng begrenzte Option.
Mein ehrliches Fazit nach Jahren auf der Straße: Der beste Schutz ist vorausschauendes Fahren. Wenn du tiefer einsteigen willst, schau dir auch die Punkte und Bußgelder im Detail sowie die MPU-Vorbereitung an – dann bist du auf alles vorbereitet.