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Kfz-Zulassung

Auto aus dem Drittland importieren: Zoll & Zulassung

Ein Auto aus den USA oder einem anderen Drittland nach Deutschland holen klingt nach Abenteuer – und genau das ist es bürokratisch auch. Ich zeige dir, was beim Auto import nicht EU wirklich auf dich zukommt.

Als ich das erste Mal überlegt habe, einen amerikanischen Pickup aus den USA nach Deutschland zu holen, dachte ich naiv: „Kaufen, verschiffen, anmelden – fertig." Spoiler: So einfach ist es nicht. Zwischen dem Kauf im Drittland und dem Moment, in dem das Auto mit deutschem Kennzeichen vor der Tür steht, liegen Zoll, Steuern und eine technische Prüfung, die es in sich hat.

Genau deshalb schauen wir uns das Thema Auto import nicht EU hier in Ruhe und Schritt für Schritt an. Denn ein Fahrzeug aus einem Drittland – also etwa USA, Schweiz, UK oder Japan – läuft komplett anders als ein Auto aus einem EU-Nachbarland.

Gut zu wissen: „Drittland" bedeutet jedes Land außerhalb der EU. Die Schweiz, Großbritannien, die USA, Kanada oder Japan zählen dazu. Bei einem Import aus der EU entfallen Zoll und Einfuhrumsatzsteuer – beim Drittland nicht.

Warum ein Drittland-Import so anders ist

Innerhalb der EU gilt der freie Warenverkehr. Bringst du ein Auto aus Frankreich oder Polen, gibt es keinen Zoll und keine Einfuhrumsatzsteuer – du zahlst nur ganz normal die Zulassung. Beim Auto importieren aus dem Drittland sieht die Welt anders aus: Hier wird das Fahrzeug zur „Ware", die offiziell über die EU-Außengrenze eingeführt wird.

Das heißt konkret: Du musst das Auto beim Zoll anmelden, Abgaben zahlen und nachweisen, dass es den europäischen Vorschriften entspricht. Erst danach kannst du überhaupt an eine Zulassung denken.

Schritt 1: Kauf und Transport

Bevor irgendetwas mit Behörden passiert, muss das Fahrzeug überhaupt erst nach Deutschland kommen. Bei einem US-Import läuft das meist per Container- oder RoRo-Verschiffung (Roll-on/Roll-off) über Häfen wie Bremerhaven oder Hamburg.

Rechne mit mehreren Wochen Transportzeit und einer ordentlichen Portion Papier. Besonders wichtig: Hebe alle Originaldokumente auf – Kaufvertrag, Title (das US-Fahrzeugdokument), Rechnung und Frachtpapiere. Ohne sie kommst du beim Zoll keinen Schritt weiter.

Das brauchst du für den Import: Kaufvertrag bzw. Rechnung, ausländisches Fahrzeugdokument (z. B. US-Title), Frachtpapiere/Konnossement, Personalausweis oder Reisepass und – später – eine Datenbestätigung des Herstellers oder ein Vollgutachten.

Schritt 2: Der Zoll – Einfuhr offiziell anmelden

Sobald das Auto im Hafen ankommt, beginnt der formale Teil. Du oder ein beauftragter Spediteur meldet das Fahrzeug beim Zoll zur Einfuhr an. Zwei Posten fallen dabei fast immer an:

  • Zoll auf den Fahrzeugwert: für Pkw üblicherweise rund 10 %
  • Einfuhrumsatzsteuer: meist 19 % auf den Wert inklusive Zoll und Fracht

Die Bemessungsgrundlage ist dabei nicht nur der reine Kaufpreis, sondern auch die Transportkosten bis zur EU-Grenze. Das treibt die Summe spürbar nach oben – ein Punkt, den viele beim ersten Mal unterschätzen.

Kurz gerechnet: Kostet dein US-Auto 20.000 € plus 2.000 € Fracht, liegt die Basis bei 22.000 €. Darauf rund 10 % Zoll (≈ 2.200 €), dann 19 % Einfuhrumsatzsteuer auf 24.200 € (≈ 4.600 €). Allein an Abgaben kommen so schnell rund 6.800 € zusammen – zusätzlich zum Kaufpreis.
Wichtig: Zoll- und Steuersätze sowie Sonderregeln (etwa für Umzugsgut oder Oldtimer) ändern sich und hängen vom Einzelfall ab. Die genannten Beträge sind realistische Orientierungswerte ohne Gewähr. Verbindlich ist allein die Auskunft deines zuständigen Zollamts.

Am Ende der Zollabfertigung bekommst du den Zollbescheid bzw. den Nachweis über die ordnungsgemäße Einfuhr (oft „Verzollungsnachweis" genannt). Den brauchst du zwingend für die spätere Zulassung – verlieren ist keine Option.

Schritt 3: Technische Abnahme – die echte Hürde

Jetzt kommt der Teil, an dem die meisten US-Importe ins Stocken geraten. Ein Fahrzeug aus einem Drittland hat in aller Regel keine europäische Typgenehmigung. Damit du ein US-Import-Auto zulassen kannst, muss es erst an die deutschen Vorschriften angepasst und geprüft werden.

Das läuft über eine Einzelabnahme nach § 21 StVZO bei einer technischen Prüforganisation wie TÜV oder DEKRA. Geprüft wird, ob das Fahrzeug der Fahrzeug-Zulassungsverordnung und den technischen Anforderungen entspricht.

Typische Umbauten bei US-Fahrzeugen:

  • Beleuchtung: rote Blinker hinten sind in den USA erlaubt, hier oft nicht – Umrüstung auf gelbe Blinker und konforme Scheinwerfer
  • Nebelschlussleuchte: in der EU Pflicht, in den USA meist nicht verbaut
  • Tacho: Anzeige in km/h erforderlich
  • Abgas: Nachweis der Schadstoffeinstufung für die Umweltplakette
Mein Rat: Klär die technische Machbarkeit, bevor du kaufst. Manche US-Modelle lassen sich mit überschaubarem Aufwand eintragen, andere werden zur teuren Dauerbaustelle. Eine kurze Anfrage beim Prüfdienst vorab spart dir im Zweifel Tausende Euro.

Hilfreich ist eine Datenbestätigung des Herstellers oder ein EG-Übereinstimmungsnachweis. Fehlt der, wird ein Vollgutachten nötig – und das ist deutlich aufwändiger und teurer. Rechne für die technische Abnahme inklusive Umbauten je nach Fahrzeug mit einem niedrigen vierstelligen Betrag.

Schritt 4: Zulassung bei der Zulassungsstelle

Hast du Zoll und technische Abnahme hinter dir, ist der Rest fast schon Routine – es läuft wie eine normale Erstzulassung bzw. Gebrauchtwagen-Zulassung. Du gehst zur zuständigen Zulassungsstelle und meldest das Fahrzeug an.

Für die Zulassung dabei haben: Verzollungsnachweis, Gutachten der Einzelabnahme (§ 21), ausländisches Fahrzeugdokument, eVB-Nummer der Versicherung, Personalausweis und – wenn du willst – ein reserviertes Wunschkennzeichen.

Die Zulassungsstelle stellt dann die Zulassungsbescheinigung Teil I und II aus, und du bekommst deine Stempel auf die Schilder. Ab dem Moment darfst du legal fahren.

Gut zu wissen: Solange das Fahrzeug noch nicht regulär zugelassen ist, du es aber zum Prüfdienst überführen musst, brauchst du ein Kurzzeitkennzeichen oder Überführungskennzeichen – mit passender Versicherung versteht sich.

Was kostet der Import unterm Strich?

Eine pauschale Zahl gibt es nicht, aber eine grobe Hausnummer hilft. Neben dem Kaufpreis solltest du grundsätzlich einplanen:

  • Transport/Verschiffung: oft 1.500–3.000 €
  • Zoll (Pkw): rund 10 % des Werts
  • Einfuhrumsatzsteuer: meist 19 %
  • Technische Abnahme + Umbauten: einige hundert bis mehrere tausend Euro
  • Zulassung + Schilder: rund 60–90 €

Faustregel aus meiner Erfahrung: Auf den reinen Kaufpreis kommen schnell noch 40–60 % obendrauf, bis das Auto fahrbereit angemeldet ist. Wer das vorher nicht einrechnet, erlebt eine böse Überraschung.

Häufige Fragen zum Drittland-Import

Lohnt sich ein US-Import finanziell? Selten allein wegen des Preises. Nach Zoll, Steuer und Umbau ist der Kostenvorteil oft weg. Es lohnt sich eher bei Modellen, die es hier nicht gibt, oder bei Liebhaberfahrzeugen.
Gibt es Ausnahmen beim Zoll? Ja, etwa bei einem Wohnsitzwechsel (Umzugsgut) unter bestimmten Bedingungen oder bei echten Oldtimern mit reduziertem Steuersatz. Das klärst du individuell mit dem Zoll.
Brauche ich immer ein Vollgutachten? Nicht zwingend. Liegt eine Datenbestätigung des Herstellers oder ein EG-Nachweis vor, reicht oft eine einfachere Einzelabnahme nach § 21 StVZO. Fehlt beides, wird das Vollgutachten nötig.
Kann ich das Auto vor der Zulassung bewegen? Nur mit Kurzzeit- oder Überführungskennzeichen und gültiger Versicherung. Ohne gültige Papiere drohen Konsequenzen wegen Fahren ohne Zulassung.

Fazit

Ein Auto aus dem Drittland zu importieren ist machbar, aber kein Spaziergang. Die Reihenfolge ist entscheidend: erst Transport, dann Zoll mit Abgaben, anschließend die technische Einzelabnahme – und ganz am Ende die eigentliche Zulassung. Wer vorher rechnet und die technische Machbarkeit prüft, erspart sich teure Überraschungen.

Mein wichtigster Tipp: Plane großzügig Budget und Zeit ein und hol dir vorab eine Einschätzung vom Prüfdienst. Offizielle Hinweise zu Fahrzeugtypen und Statistik findest du beim Kraftfahrt-Bundesamt, eine gute erste Orientierung rund um Import und Technik bietet auch der ADAC. Dann wird aus dem Bürokratie-Abenteuer am Ende doch ein entspanntes Ankommen.

Zulassung Import Zoll

Rechtsstand: 24.06.2026 · Quelle: KBA, FZV, ADAC

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